Landsberg
(löb).
Dieser Mann lässt von Anfang
an keinen Zweifel: Alles im
Leben ist zweifelhaft, kann,
muss in Frage gestellt werden.
Arnim Töpel gastierte mit
seinem Programm "Sex ist
keine Lösung" in der
Landsberger Kleinkunstbühne
s'Maximilianeum im ausverkauften
Foyer des Stadttheaters.
"Man
lacht am liebsten über
die anderen." Wie recht
er hat, der Arnim Töpel.
Allerdings spricht der Kabarettist
in seinem Programm vieles
an, was alle betrifft und
deshalb das Lachen gär
nicht mehr so leicht fällt.
Den Zuhörern wird der
Spiegel vorgehalten. "Schenk
mir ein Mädchen mit Benz",
welcher Mann hätte diesen
Stoßseufzer nicht schon
mal gen Himmel geschickt.
Scheinbar
harmlos
Und wie er solche Wahrheiten
bringt, das macht Hoffnung
für die deutsche Kabarettlandschaft.
Scheinbar harmlose Alltagsgeschichten
bekommen von ihm eine knallharte
Pointe verabreicht: "Ich
will es nicht genau wissen
- aber sofort!" So wirft
er die derzeitig grassierende
Informierwut in die Waagschale.
Schlagworten entzieht er die
Aura: "Wir können
es schaffen - bloß was?"
Sein Sprachwitz ist grenzenlos,
wie zufällig, man merkt
es kaum, reimen sich die Sätze.
Dazu präsentiert er sich
als exzellenter Jazzpianist.
Er begleitet sich am Flügel,
unterstreicht die verbalen
Aussagen mit pointierten
Anschlägen
auf das
Gehör der
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Anwesenden. Die Finger ziehen
sich die Töne, werfen
sie weg, verdreschen schon
mal den Korpus des Pianos.
Der übrige Körper
arbeitet mit, lässt den
Musiker meist nicht ruhig
auf dem Klavierhocker sitzen.
Sanfte
Melodie
Und wenn Worte nicht mehr
ausreichen, dann lässt
Töpel den Blues allein
sprechen. Allzu schwer Verdaulichem
wird dadurch die Spitze genommen,
schrill sind bei Töpel
nur die Töne aus dem
Flügel. Seine Worte hingegen,
in kleine sanfte Melodien
eingebettet, sind nachdenklich-sentimental,
ohne jeden Ausflug in die
niederen Gefilde des Sprachgebrauchs.
"Jeder mag dich, wenn
du schwach bist", ist
so ein melancholischer Titel
mit Tiefgang.
Kein Zweifel, dieser Arnim
Töpel ist ein Segen für
die Kleinkunst, dazu ein angenehmer.
Zeitgenosse, dem man sich
verbunden fühlt, weil
er Schwächen dezent aufdeckt,
die man nur allzu gut kennt.
Er belässt es nicht bei
harmlosem ,Politiker durch
den Kakao ziehen', sondern
beschäftigt sich mit
Alltäglichem und gibt
den Zuhörern eine gehörige
Portion Nachdenklichkeit mit
auf den Heimweg.
Nächste Veranstaltung
der Landsberger Klein-kunstbühne
s'Maximilianeum im Foyer des
Stadttheaters ist "Schnop
- der Weg ist weg" von
und mit Luise Kinseher.
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