Landsberg
(löb).
Vom Valentin die Figur, vom Qualtinger das österreichische
Granteln, von beiden der beinahe schon feinsinnige Wortwitz,
mit dem die ureige-nen Lebensweisheiten unters Volk gebracht
wer-den, das ist "Helfried" alias Christian
Hölbling. Der österreichische Kabarettist probte
im Foyer des Landsberger Stadttheaters den Aufstand -
pardon, seine Hochzeit - unter Zuhilfenahme eines manchmal
sich zierenden Publikums.
Saisonauftakt
der Landsberger Kleinkunstbühne S'Maximilianeum:
"Helfried heiratet" war der Titel der ersten
Veranstaltung. Was das bei Helfried bedeutet, wurde
schnell klar. Es wird generalstabsmäßig geplant,
denn "fehlerloses Heiraten ist der Garant für
eine lange Ehe". Und es wird gespart an allen Ecken
und Enden. Der Trauzeuge macht gleichzeitig Musik, das
bringt eine Kostenersparnis von 94 Prozent. Das Brautkleid
ist von da, wo auch der Anzug herstammt, vierte Hand
oder so... "Ich bin ja nicht der Rockefeller."
Eigentlich, so hat man das Gefühl, will er gar
nicht heiraten, tut das bloß aus Pflichtgefühl,
um seine Linie vor dem Aussterben zu bewahren, um später
jemanden zu haben, mit dem er den "Generationen-vertrag
abschließen" kann.
Aufmuckend
wippend
Viel
lieber beschäftigt er sich mit seiner Käfersam-
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mlung. Tun sich da Abgründe auf? Man traut es ihm
nicht zu, diesem Männlein mit der großen
Brille und den stechenden Augen, das die Hände
in die Hüften stemmt, sich mit den Füßen
wippend aufplustert und zwischen Aufmucken und Obrigkeitshörigkeit
schwankt. Dieser Helfried, Christian Hölbling,
Jahrgang 1972, ist ein begnadetes
Talent. Wortwitz, ein Minenspiel, das die nach einer
Kunstpause folgende Aussage meist nicht nur andeutete,
sondern bereits ausdrückte, zeichnen ihn aus.
Dazu
persifliert er Lieder mit einer raumfüllenden Stimme,
dass einem Hören und Sehen vergeht. Sein Auftritt
im Foyer war wie das Programm: Einerseits durchgeplant,
andererseits lebte es von der Situationskomik. Der Kabarettist
schien geradezu darauf zu warten, dass etwas passierte,
dass er improvisieren konnte.
Wehe
dem, der vergessen hatte sein Handy auszuschalten! Wehe
auch dem Veranstaltungs-besucher, der nicht nach seiner
Pfeife tanzte, er bekam immer wieder sein Fett ab. Und
er deckte rücksichtslos alle Fehler und Schwächen
auf, in denen sich wohl jeder irgendwo wiederfand. Das
Lachen blieb einem im Hals stecken, vielleicht auch,
um die nächste Pointe nicht zu verpassen.
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