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08.05.2005  DAS BLAUE EINHORN "WeltFolk"

Manches Mal ist es "proppenvoll" und man kann sich kaum rühren - und machmal sind noch einige Plätze frei und wir wissen nicht, warum. Auch diesmal waren nicht alle Karten verkauft, obwohl es das Programm und das "Blaue Einhorn" verdient gehabt hätten. Ein wunderbarer Abend mit wunderbarer Musik und wunderbaren Musikern. Und das meint auch die Presse...

"Landsberger Tagblatt " vom 11.05.2005

Schönheit der Dinge
"Das Blaue Einhorn"

Von unserer Mitarbeiterin Romi Löbhard
Landsberg

"Das Blaue Einhorn" ließ, sich im Foyer des Landsberger Stadttheaters nieder, sang von der Schönheit der verlorenen Dinge, nippte am Stundenglas der Besucher und ergötzte sich an deren Applaus. Mit heiterer Gelassenheit widmete es sich vergangener Schönheit und nicht erwiderter Liebe. Als es sich wieder verabschiedete, hatte die Kleinkunstbühne S'Maximilianeum einen weiteren musikalischen Höhepunkt in der laufenden Veranstaltungsreihe erlebt.

"Das Blaue Einhorn" sind vier Musiker aus Dresden, die sich "städtischer Folklore" verschrieben haben, Überliefertem, das von vernichteter Kultur und von Dingen, die verloren sind, erzählt. Sie gestalteten einen Abend voller Musik der Juden, der Roma, der Sinti, der Seefahrer auf der Suche nach neuen Welten und der Träumer auf der Suche nach dem Paradies. Die Stilsprünge sind gewaltig. Gerade noch wird jüdische Hochzeit gefeiert, schon träumen sie mit Kurt Weill vom verlorenen Paradies "Youkali", brechen alsbald zu neuen Ufern auf oder träumen von der "Süßkirschenzeit".

Lieder und Tänze

"Ich will sich spiln - wer will das nicht" war einer der Musiktitel des Abends. Er passte wie kein anderer auf die Musiker des Blauen Einhorn. Die schier unbändige Lust aller vier am Spielen, am Musizieren und auch am Experimentieren merkte man bei jedem Stück. Grandiose Einmütigkeit beim Zusammenspiel beeindruckte.

Verhaltene Leidenschaft

Die verhaltene Leidenschaft der Lieder und Texte, der verzögerte Einsatz der Geige, alles stimmte millimetergenau. Bei Paul Hoorn liefen die Fäden zusammen. Er spielte Akkordeon und Trompete, entlockte der Bauernklarinette weinende Klezmermusik und löste mit heiteren, verbindenden Worten aufkommende Sentimentalitäten. Vor allem aber sang er, genauer gesagt, er ging auf in den Liedern, er lebte sie förmlich. Nicht minder hingebungsvoll machte der meisterliche, an Musikalität und Technik kaum zu überbietende Dietrich Zöllner seine Bauchgeige zu einem Instrument, das Stimmungen transportiert. Von Andreas Zöllner lernte man, dass eine Gitarre auch Balalaika sein kann und Michael Burkhardt sah in seinem Kontrabass ebenso die Große Trommel.

Raue Stimme

Die Zugaben offenbarten noch einmal das begnadete Talent von Paul Hoorn, in der Musik aufzugehen, sie zu einem Teil von sich selbst zu machen. Gerade noch hat er "Via con me" mit der rauen Stimme eines Landfahrers gelockt und geklagt, schon schwelgt er mit größter Inbrunst "Baj mir bistu schejn" -wann hat man dieses oft gesungene Lied schon so phantastisch gehört? Und welche Geige klagt so zart verklingend vom verlorenen Blauen Einhorn, "es ließ mich ohne Trost zurück". Nicht ganz, denn es hatte vor dem Entschwinden sein Horn voller Gesänge geöffnet.

 

 

 


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