Von
unserer Mitarbeiterin Romi Löbhard
Landsberg
"Das
Blaue Einhorn" ließ, sich im Foyer des Landsberger
Stadttheaters nieder, sang von der Schönheit der
verlorenen Dinge, nippte am Stundenglas der Besucher
und ergötzte sich an deren Applaus. Mit heiterer
Gelassenheit widmete es sich vergangener Schönheit
und nicht erwiderter Liebe. Als es sich wieder verabschiedete,
hatte die Kleinkunstbühne S'Maximilianeum einen
weiteren musikalischen Höhepunkt in der laufenden
Veranstaltungsreihe erlebt.
"Das
Blaue Einhorn" sind vier Musiker aus Dresden, die
sich "städtischer Folklore" verschrieben
haben, Überliefertem, das von vernichteter Kultur
und von Dingen, die verloren sind, erzählt. Sie
gestalteten einen Abend voller Musik der Juden, der
Roma, der Sinti, der Seefahrer auf der Suche nach neuen
Welten und der Träumer auf der Suche nach dem Paradies.
Die Stilsprünge sind gewaltig. Gerade noch wird
jüdische Hochzeit gefeiert, schon träumen
sie mit Kurt Weill vom verlorenen Paradies "Youkali",
brechen alsbald zu neuen Ufern auf oder träumen
von der "Süßkirschenzeit".
Lieder
und Tänze
"Ich
will sich spiln - wer will das nicht" war einer
der Musiktitel des Abends. Er passte wie kein anderer
auf die Musiker des Blauen Einhorn. Die schier unbändige
Lust aller vier am Spielen, am Musizieren und auch am
Experimentieren merkte man bei jedem Stück. Grandiose
Einmütigkeit beim Zusammenspiel beeindruckte.
Verhaltene
Leidenschaft
Die
verhaltene Leidenschaft der Lieder und Texte, der verzögerte
Einsatz der Geige, alles stimmte millimetergenau. Bei
Paul Hoorn liefen die Fäden zusammen. Er spielte
Akkordeon und Trompete, entlockte der Bauernklarinette
weinende Klezmermusik und löste mit heiteren, verbindenden
Worten aufkommende Sentimentalitäten. Vor allem
aber sang er, genauer gesagt, er ging auf in den Liedern,
er lebte sie förmlich. Nicht minder hingebungsvoll
machte der meisterliche, an Musikalität und Technik
kaum zu überbietende Dietrich Zöllner seine
Bauchgeige zu einem Instrument, das Stimmungen transportiert.
Von Andreas Zöllner lernte man, dass eine Gitarre
auch Balalaika sein kann und Michael Burkhardt sah in
seinem Kontrabass ebenso die Große Trommel.
Raue
Stimme
Die
Zugaben offenbarten noch einmal das begnadete Talent
von Paul Hoorn, in der Musik aufzugehen, sie zu einem
Teil von sich selbst zu machen. Gerade noch hat er "Via
con me" mit der rauen Stimme eines Landfahrers
gelockt und geklagt, schon schwelgt er mit größter
Inbrunst "Baj mir bistu schejn" -wann hat
man dieses oft gesungene Lied schon so phantastisch
gehört? Und welche Geige klagt so zart verklingend
vom verlorenen Blauen Einhorn, "es ließ mich
ohne Trost zurück". Nicht ganz, denn es hatte
vor dem Entschwinden sein Horn voller Gesänge geöffnet.