Landsberg
(riem).
S'Maximilianeum
bot schon immer Überraschungen. Für das Saisonende
war ein ganz besonderes Schmankerl angesagt: Volksmusik
der ungewöhnlichen Art. Leider hat das Daumendrücken
nicht geholfen, das Wetter spielte nicht mit. So musste
das Sommerbrettl ins Theater umziehen.
Wer
mit "bayerischen" Volksinstrumenten wie Zither,
Hackbrett und Gitarre das Podium betritt, muss sich
gefallen lassen, dass einige der Besucher Stubnmusi
erwarten. Dass dem nicht so ist, wurde dem Publikum
bei dem musikalischen Repertoire der "Naglmusi"
und dem "Zapf Trio" schnell klar. Von wegen
bayerische Volksinstrumente: Wussten Sie, dass die Zither
aus Persien, die Gitarre aus Indien und das Hackbrett
aus Pakistan kommen?
Polka
bis Bossa Nova
Von
der Polka zum Bossa Nova, vom Blues zum Landler, g'radaus
und verkehrt, ein Streifzug von bayerischer zu avantgardistischer
Volksmusik, von regional bis grenzüberschreitend,
so fing der Abend an mit Naglmusi. Dass die fünf,
Bärbel Steinbigler mit Hackbrett und Flöte,
Rolf Nagl an Zither und Gitarre, Uwe Block, Gitarre
und Klarinette, Stefan Pfaffinger am Kontrabass und
Janine Schmidt an Percussion nicht vor Skurrilem zurückschrecken,
zeigen Stücke wie "Holloradio Diarrhö"
(Alarm im Darm) oder "teilwaise", weil das
Stück nur Teilweise von der Gruppe selbst geschrieben
wurde.
Alle Songs werden von den Mitgliedern der Naglmusi selbst
komponiert. Da kommt dann schon mal ein "Mischmaschstück
Polkonova" zustande, bei dem Eindrücke von
Reisen durch Europa zusammengefügt werden. Oder
der Naglwalzer, bei dem das Hackbrett
von Bärbel Steinbigler
mit
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Nägeln
bearbeitet wird. Hört sich super an. Lyrisch wurde
es beim "Wasserspiel" oder "boarischen
Tango": In einer kalten Berghütte träumt
die Bäuerin vom Zuckerhut. Heraus kommt dann der
"geröstete Kartoffel mit Zwiebel und Speck-Samba".
Ein subtiles Vergnügen, das bis ins Zwerchfell
reichte.
Da
kippt eine Melodie unversehens ins Schräge, festgefügter
Rhythmus muss plötzlich nicht mehr sein: Rudi Zapf
bestritt den zweiten Teil des Abends. Im Trio vereint
spielten drei Virtuosen ein Konzert der außergewöhnlichen
Art.
Von
Irish Folk zu Klezmer, von der Klassik zum Tango, von
alter zu neuer Volksmusik, Jazzvarianten und eigenen
Kompositionen. Rudi Zapf, vertrauter Meister des Hackbretts
und Akkordeons und neuerdings auch böhmischer Wanderharfenist,
mit der extravaganten Klassik- und Jazzgeigerin Martina
Eisenreich und dem feinfühligen Kontrabassisten
Harry Scharf begeisterten das Publikum ebenfalls.
Abgewandelter
Vivaldi
Ob
abgewandelter Vivaldi, mongolischer Galopp oder Astor
Piazolla, alles wird sensibel arrangiert und interpretiert.
Zapf, Scharf und Eisenreich leben von ihren hervorragenden
instrumentellen Fähigkeiten. Moll oder Dur, dreiviertel-
oder 7/8-Takt? Kaum bekommt man ein Stück zu fassen,
biegen sie möglicherweise in den nächsten
Rhythmus oder wechseln die Tonart. Die Kunst, bayerisch-traditionelles,
barockes und klassisches in die Musik anderer Länder
zu transformieren oder diese Verwandlung auch den umgekehrten
Weg gehen zu lassen demonstrierten beide Formationen
deutlich, also von wegen Stubnmusi. Übrigens in
der "Stubn" spielten beide Gruppen bisher
noch nie, in Sälen schon. Ein Abschluss der Saison
und auf das neue Programm darf man gespannt sein
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